passio | Lebenswelt

© Britta Krämer, Diplom 2009
Anorexia nervosa
Nachwort 1
Meine Vergangenheit ist für mich immer und überall präsent. Ich habe weitestgehend gelernt, damit umzugehen. Als ich aber merkte, dass mich das Durchlebte wieder intensiver beschäftigte und verfolgte, sich in einem Maß in den Vordergrund spielte, dass ich mich gelähmt und antriebslos fühlte, habe ich beschlossen, meine persönliche Geschichte zu erzählen.
Mir war wichtig, dass nicht eine Dokumentation über Anorexia nervosa im eigentlichen Sinne entsteht, sondern viel mehr möchte ich die Emotionen vermitteln und durch die intensiven Gefühlswelten führen, die sich während und mit dem Krankheitsverlauf entwickelt haben.
Schon in den ersten Wochen der Arbeit wurde mir bewusst, dass dies der richtige Weg sein sollte, meine Erlebnisse weiterzugeben. Schnell bemerkte ich eine Art der Erleichterung, konnte die Gedanken einfach loslassen und auf Papier bringen. Mein Kopf wurde klarer, ich fühlte mich nicht mehr dermaßen bedrängt.
Ohne die aufbauende Unterstützung, das stets offene Ohr und nicht zuletzt durch die fachliche Kompetenz meines Diplombetreuers Thomas Hilbig, der mich auf diesem Weg begleitet hat, hätte ich das Buch “passio” nie umsetzen können. Vielen Dank dafür.
Britta Krämer, im September 2009






© Britta Krämer, Diplom 2009
Nachwort 2
Auffällig viele „starke Frauen“ – dieser Terminus sei mir hier erlaubt – haben bereits früh eine Geschichte. Britta Krämer erzählt uns in diesem Buch ihre. Anorexia nervosa (Magersucht) zählt zu den psychischen Krankheiten mit der höchsten Sterberate. Britta Krämer war dem Tod so nahe, dass sie von sich selbst sagt: „…danach begann mein jetziges Leben.“ Sie beschreibt ihre frühe Jugend mit wenigen Worten und vielen eindringlichen, teils bedrückend dichten Bilder. – Immer wieder werden wir mit dem Abbild ihres ausgezehrten Körpers konfrontiert. – Doch es ist nicht Mitleid, was diese Bilder hervorrufen. Sie lassen uns teilhaben an einer Katharsis; der rückblickenden Konfrontation mit diesem Lebensabschnitt. Die, wie von innen an eine Membran projizierte Bilder geben uns einen Eindruck vom Seelenleben dieser jungen Frau.
„Jetzt is’ auch gut!“ sagt sie befreit zum Abschluss ihrer Arbeit und steht zu diesem Teil ihrer Persönlichkeit. Den Betrachter lässt sie betroffen zurück. Mit einem unbestimmten, weil fremden, empathischen Gefühl; aber jenseits der den Betroffenen nicht gerecht werdenden moralisch gefärbten Diskussion über falsche Leitbilder.
Thomas Hilbig, Ruhrakademie, 2009
