Ethik

Projektarbeit “Lust” (WS08), © Maria Görrißen (Ausschnitt)
Es wird immer noch oft behauptet, dass der Begriff „Design“ ein leider schwer zu fassender Begriff sei. Man kokettiert damit, dass die Bezeichnung inflationär Verwendung findet – findet – z.B. für Einrichtungsgegenstände, Bekleidung, Autos, Drogen und generell für alles was bunt und teuer ist. In Wahrheit hat sich die Standortbestimmung in der Design-Community, also bei allen, die sich ernsthaft mit Design befassen und darüber reden, längst vollzogen. Design ist immer das Neue, ist auf ein Ziel ausgerichtet. Design ist ein Prozess. Design hat kommunikative und gesellschaftliche Bedeutung. Design ist Orientierung. In der Praxis hat dieser Standpunkt noch nicht die entsprechende Anerkennung erfahren. Da sich unter anderem aber gerade daran – an der beabsichtigten Wahrnehmung und Anerkennung – die Effizienz von Design misst, sind wir Gestalter in der Pflicht.
Design setzt Zeichen – es macht Funktionen, Handlungen, Informationen, aber auch Werte, sichtbar. Dabei agiert das Design selbst auf der Basis von Werten und Normen, die auf eine lange Geschichte zurückzuführen sind – auch wenn in der Praxis selten eine Reflektion darüber stattfindet und sich diese hier eher in tradierten Prinzipien, die wir durch Vorbilder und im Studium oft versteckt hinter praktischen Handlungsanweisungen erworben haben, niederschlagen. Bereits in der Antike kannte man den Diskurs über das Schöne und Gute. Die Erfindung der Schrift, war nicht nur eine gesellschaftliche Revolution, sie begründete auch die Tradition der Kalligrafie und der Typografie. Durch die Industrialisierung stellte sich die Frage nach Form und Funktion im Produktdesign, im Licht der gesellschaftlichen Bedeutung, neu. Die Mediengesellschaft ist die aktuelle Herausforderung für das Kommunikationsdesign.
Ethik ist die Lehre von auf bestimmten Werten und (sittlichen) Normen basierendem Handeln in unterschiedlichen Lebenssituationen. Auch ist sie mehr daran interessiert, welcher Zustand herbeigeführt werden sollte, als an dem der gerade existiert. Unter diesem Aspekt sollte eine enge Beziehung zwischen Ethik und Design bestehen.
Obwohl Ethik nicht gleichzusetzen ist mit Moral – im Sinne eines eher rückwärts gewandten sittlichen, gesellschaftlichen Kodex – ist dies wohl der Grund für das Unbehagen, das dieser Begriff bei Designern oft hervorruft.
Designer sind kreativ. Und oft genug fordert Kreativität den Common Sense, den allgemeinen „guten Geschmack“, das Mittelmaß, eben auch die Moral, heraus. Grenzen werden überschritten, Irritation, manchmal Provokation, bewusst gesucht. Notwendige Eigenschaften, oder eben Werte, sind Mut, Neugierde, Individualität und Lust.
Welche Maxime hat eine Ethik der gerade auch diese Werte zugrunde liegen und wie lässt sie sich darstellen?
Thomas Hilbig

































